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Geld

Rückenwind für Anleger

2.3.2026

Der Wohnimmobilienmarkt in Österreich hat sich weitgehend stabilisiert, nachdem die Europäische Zentralbank/EZB ihren wichtigsten Leitzins, den Einlagezins, im Jahr 2025 in vier Schritten auf 2,00 Prozent senkte. Die Aktienmärkte florieren: Der MSCI-World-Index stieg auf US-Dollar-Basis über das Jahr 2025 gerechnet um 21,60 Prozent. US-Aktien stiegen, getrieben vom KI-Boom im Technologiesektor, und die Börsen Wien (ATX) und Südkorea (KOSPI) brachten es sogar auf ein Plus von jeweils 45,4 bzw. 75,6 Prozent. Doch die großen Shootingstars des Jahres 2025 und zum Jahresauftakt 2026 sind und bleiben Gold und Silber. Per 23. Jänner liegt deren 12-Monats-Plus auf Dollarbasis bei je 77  bzw. 214 Prozent. Gold nähert sich immer mehr an die Marke von 5.000 USD an und Silber überschritt mittlerweile 100 US-Dollar. Der NYSE Arca Gold BUGS Index (Goldminenaktien) liegt auf Jahressicht um 194 Prozent im Plus. Wie geht es nun weiter? Und wie steht es um den Immobiliensektor?
 
Konjunktur und Zinsumfeld bleiben unterstützend
 
Die RE/MAX-Studie Immobilienmarkt 2026 klingt durchaus optimistisch. Im PREFIX, dem RE/MAX Real Estate Future Index, sammelt RE/MAX Austria die Einschätzungen von 650 Immobilienexpert*innen. Das Ergebnis: „Bei allen Immobilientypen steigen Nachfrage und Angebot wieder. Die Preise ziehen bei allen Immobilientypen moderat – im Rahmen der Inflationsrate – an.“ In eine ähnliche Kerbe schlägt die jüngste Publikation des Infina-Kredit-Index (IKI): Trotz tendenziell wieder steigender Wohnbaukreditzinsen bis 2027 drehen die Wohnimmobilienpreise nach oben. Im Detail: „Für das Jahr 2026 sind im Neubau abhängig von Lage und Projekt mittlere bis teils höhere einstellige Preissteigerungen möglich, oft begleitet von weiter steigenden Mieten. Bei gebrauchten Wohnungen erscheint eine Preisentwicklung von zwei bis vier Prozent als realistisches Szenario.“ Die Wohnbau-Finanzexpert*innen der Infina begründen dies mit einer schwachen Fertigstellungsquote, die durch die zurückhaltende Finanzierung neuer Projekte gebremst wird.
 
Das Konjunktur- und Zinsumfeld ist jedenfalls weiter unterstützend für Sachwerte aller Art: Aktien und Immobilien sowie Edelmetalle bleiben weiterhin ein Thema, denn die Federal Reserve/Fed, das Zentralbank-System und die Notenbank der Vereinigten Staaten von Amerika, ist dabei, die Geldmenge eventuell erneut nachhaltig auszuweiten: Sie hat per 12. Dezember 2025 wieder mit Anleihenkäufen begonnen – vorläufig monatlich 40 Milliarden USD, um die Liquiditätsversorgung stabil zu halten.
 
Hier könnte bereits Krisenvorbeugung dahinterstecken, für den Fall, dass der KI-Boom abflaut und es zu massiven Korrekturen am US-Aktienmarkt kommt. In puncto Staatsverschuldung sind die USA mit 124 Prozent des BIP (Fiskaljahr 2025) bereits in einem sehr kritischen Bereich, während die Eurozone derzeit sowohl in punkto Staatshaushalte als auch Aktienbewertungen die solidere Alternative ist. „Die Eurozone befindet sich 2026 in einer Phase geldpolitischer Stabilität. Da die Inflation im Zielkorridor von zwei Prozent liegt, werden keine Zinsänderungen erwartet. In den USA reagiert die Federal Reserve hingegen auf einen schwächeren Arbeitsmarkt und eine daraus resultierende mögliche Konjunkturabkühlung. Der Markt preist daher für die USA zwei Zinssenkungen im laufenden Jahr ein“, kommentiert Helmut Siegler, Vorstandsvorsitzender der Schoellerbank, die Lage und ergänzt: „Vorsicht ist bei Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten dies- und jenseits des Atlantiks geboten: Steigende Staatsverschuldung führt zu höheren Renditen, da Investoren für das wachsende Kreditrisiko und das größere Anleiheangebot eine zusätzliche Risikoprämie verlangen. Deshalb sollten aktuell eher kurze bis mittlere Laufzeiten gewählt werden, um Zinsrisiken zu begrenzen“. Ähnlich sieht das Karin Svoboda, Vorstandsmitglied der Tiroler Sparkasse: „Für Europa erwarten wir im Jahr 2026 stabile Leitzinsen. Der Einlagenzinssatz der EZB liegt seit Mitte 2025 bei zwei Prozent und dürfte auf diesem Niveau bleiben, da sich die Inflation weiter in Richtung des Preisstabilitätsziels von zwei Prozent bewegt. Die verbesserte Konjunkturlage und fiskalische Impulse, beispielsweise durch Investitionen in Verteidigung und Digitalisierung, sprechen jedoch für leicht steigende Renditen am langen Ende. Treiber hierfür sind ein höheres Neuemissionsvolumen sowie moderat steigende Inflationsprämien.“
 
Komplexer ist die Situation in den USA, die die Expert*innen von Erste Group Research wie folgt skizzieren: „Nach der jüngsten Zinssenkung der US-Notenbank Fed erwarten wir zu Jahresbeginn zwei weitere moderate Schritte nach unten, um sich dem neutralen Zinsniveau von rund drei Prozent anzunähern. Allerdings dürfte die Inflation mit knapp drei Prozent hartnäckiger bleiben als von der Fed prognostiziert. Dies könnte im späteren Jahresverlauf erneute Zinserhöhungen ins Gespräch bringen. Langfristig rechnen wir daher mit steigenden Renditen, da Inflationsrisiken und ein höheres Anleiheangebot zunehmend eingepreist werden.“
 
Allein 2026 laufen US-Staatsanleihen im Volumen von neun Billionen USD aus – das sind 28,3 Prozent des für 2026 geschätzten BIP. Zusätzlich müssen noch die tendenziell steigenden öffentlichen Defizite finanziert werden. Laut Schätzung von Moody’s sollte das Haushaltsdefizit der USA von 2024 bis 2035 von 6,4 Prozent auf knapp 9 Prozent des BIP steigen. Niedrigere Zinsen und Staatsanleihenkäufe sollen in so einem Umfeld steigenden Staatsanleihenrenditen und höheren Finanzierungskosten des Staates entgegenwirken, denn die Nettozinsen sind im laufenden Fiskaljahr bereits der zweitgrößte Ausgabeposten der US-Regierung. Zwischenzeitlich könnten sich die Zinsdifferenzen zwischen den USA und der Eurozone weiter verringern. Die Folge wäre ein tendenziell schwächerer US-Dollar.
 
Positives Umfeld: Zumindest kurzfristig noch relativ niedrige Dollarzinsen, bei schwächelndem Dollar könnten Lokalwährungsanleihen diverser Schwellenländer profitieren. Generell sind diverse Schwellenländeranleihen wegen höherer Renditen attraktiv, zumal es weder Überhitzung noch stärkere Krisentendenzen in den Emerging Markets gibt. Je nach Benchmark und Portfolio liegen die Renditen von Schwellenländeranleihen derzeit zwischen 5,5 und über 7 Prozent. Ebenfalls positiv könnten sich europäische Corporate Bonds entwickeln, während bei Staatsanleihen gewisse Vorsicht geboten ist, was die Analyst*innen von Erste Group Research wie folgt auf den Punkt bringen: „Wir erwarten eine positive Performance bei Euro-Unternehmensanleihen. Für Euro-Staatsanleihen rechnen wir hingegen mit einer schwächeren Entwicklung. US-Treasuries könnten sogar negativ performen, da wir mit steigenden Renditen und einem schwächeren Dollar rechnen.“
Das aktuelle Konjunktur- und Zinsumfeld legt auch der Fortsetzung des bisherigen Aufschwungs an den Aktienmärkten keine Prügel in den Weg. Die Unternehmensgewinne sollten 2026 entsprechend wachsen: Laut FactSet Analystenkonsens vom 23. Jänner 2026 sollten heuer die Gewinne der S&P-500-Unternehmen bei einem Umsatzwachstum von 7,3 Prozent um 14,7 Prozent steigen. Am stärksten ist das erwartete Gewinnwachstum im Technologiesektor, gefolgt von den Grundstoffen, während die Gewinne im Energiesektor wohl eher stagnieren.
 
Und wie sieht es in Europa aus? Laut STOXX 600 Earnings Outlook von LSEG (Stichtag 22. Jänner 2026) sollte sich das Gewinnwachstum der STOXX-600-Unternehmen von Q1 2026 bis Q1 2027 von 1,4 kontinuierlich auf 14,9 Prozent beschleunigen. 800 Milliarden Euro bis 2030 für das EU-weite Rüstungsprogramm RearmEurope und die Aufstockung der NATO-Verteidigungs-Etats auf bis zu fünf Prozent des BIP im Jahr 2035 sollten neben hohen Infrastrukturinvestitionen und einem sich abzeichnenden Wiederaufbau der Ukraine (geschätztes Investitionsvolumen von 524 Milliarden USD über zehn Jahre) längerfristig die Konjunktur in Europa stützen, was insbesondere zahlreiche Aktien der Wiener Börse attraktiv erscheinen lässt.
 
Die größten Chancen
 
„Die größten Chancen sehen wir 2026 in qualitätsorientierten Aktien sowie in Anleihen mit attraktiven laufenden Renditen. Auf der Aktienseite bevorzugen wir Unternehmen mit soliden Bilanzen, stabilem Cashflow und Preisfestsetzungsmacht. Auch eine stabile und wachsende Dividende ist interessant. Während Teile des US-Marktes gemessen an Kennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Kurs-Umsatz-Verhältnis hoch bewertet erscheinen, bieten Europa und ausgewählte Qualitäts- und Value-Segmente aus unserer Sicht ein attraktiveres Bewertungsniveau bei vergleichbaren Ertragsperspektiven“, so Helmut Siegler. Nach Einschätzung des Autors findet sich viel Value generell im Bereich Biotechnologie/Pharma und bei europäischen Konsumgüterherstellern. Telekomtitel und Versorger mit hohen Dividendenrenditen könnten – je nach genauer Auswahl – ebenfalls interessant sein. Karina Svoboda ist vor allem für europäische Aktien positiv gestimmt: „Europa bietet attraktive Perspektiven. Die Bewertungen sind im Vergleich zu den USA günstiger und die Dividendenrenditen hoch. Zusätzliche Impulse kommen durch Investitionen in die Bereiche Energie, Infrastruktur und Verteidigung. Besonders interessant sind europäische Small Caps, die von der konjunkturellen Erholung profitieren.“ Auch in den USA bieten sich laut Svoboda mögliche Chancen. „In den USA bleiben Qualitätswerte im Fokus, ebenso wie Unternehmen, die indirekt vom Investitionszyklus rund um künstliche Intelligenz profitieren. Dazu zählen beispielsweise Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Energie und Infrastruktur sowie aus den Sektoren Technologie und Finanzen. Darüber hinaus sehen wir Chancen in Schwellenländern, insbesondere in Lateinamerika, wo strukturelles Wachstum und attraktive Bewertungen locken.“ In Bezug auf Rohstoffe gibt Patrick Götz, Vorstandsmitglied der Tiroler Sparkasse, folgenden Hinweis: „Industriemetalle wie Kupfer profitieren strukturell von der Energiewende und der Digitalisierung. Gold kann als diversifizierender Bestandteil in Portfolios genutzt werden. Die Entwicklung der Nachfrage wird unter anderem durch geopolitische Faktoren sowie Käufe von Zentralbanken beeinflusst.“
 
In Bezug auf die Wertentwicklung von diversen KI-Aktien, wie NVIDIA, deren Marktkapitalisierung 2025 die Fünf-Billionen-Dollar-Marke knackte, wird indes häufig schon von einer spekulativen Blase gesprochen. Auch bei Gold und Silber fragen sich immer mehr Anleger*innen, ob wir uns nicht ebenfalls in einer Blase befinden. Helmut Siegler ist diesbezüglich entspannt: „Derzeit gibt es keine Anzeichen für eine breit angelegte spekulative Übertreibung an den Finanzmärkten. Gerade im KI- und Technologiesektor sehen wir keinen neuen Dotcom-Moment, sondern eine klare Differenzierung: Einzelne Titel sind ambitioniert bewertet, der strukturelle KI-Trend ist jedoch fundamental unterlegt und mit realen Investitionen, Produktivitätsgewinnen und steigenden Erträgen verbunden. Bei Gold und Silber sehen wir eine Reaktion auf geopolitische Unsicherheiten, hohe Staatsverschuldung und geldpolitische Risiken. Insbesondere die Nachfrage von Notenbanken und institutionellen Investoren sorgt für steigende Preise. Blasenrisiken entstehen vor allem selektiv dort, wo Bewertungen den realistischen Ertragsperspektiven deutlich vorausgelaufen sind. Genau deshalb bleibt eine disziplinierte, breit diversifizierte und qualitätsorientierte Veranlagung zentral.“
 
Auch Svoboda sieht keine breite KI-Blase: „Zwar sind die Bewertungen bei Technologie- und KI-Aktien teilweise ambitioniert, doch handelt es sich bei Künstlicher Intelligenz um einen strukturellen Trend mit langfristigem Wachstumspotenzial. Typische Zyklen aus Euphorie und Konsolidierung sind dabei normal. Eine breite ‚KI-Blase‘ ist aus unserer Sicht jedoch nicht gegeben.“ Zur Goldpreisentwicklung ergänzt Patrick Götz: „Auch beim Goldpreis erkennen wir keine Blasenmerkmale. Die Nachfrage bleibt stark, insbesondere durch Zentralbanken und private Investoren. Zusätzlich stützen geopolitische Risiken, die hohe US-Staatsverschuldung sowie die Aussicht auf weitere Zinssenkungen in den USA den Goldpreis. Silber zeigt sich traditionell volatiler, jedoch ohne klare Überhitzungstendenzen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir aktuell keine Anlageklasse erkennen, die eindeutig eine spekulative Blase aufweist. Vielmehr spiegeln die Preisentwicklungen fundamentale Faktoren wie geopolitische Unsicherheiten, geldpolitische Erwartungen und strukturelle Trends wider.“
 
Risikofaktoren
 
„Die größten Risiken sehen wir 2026 in überhöhten Bewertungen einzelner Marktsegmente sowie in politischen und geldpolitischen Unsicherheiten. Auf der Aktienseite betrifft das vor allem Teile des US-Technologiesektors, wo hohe Erwartungen bereits eingepreist sind und weitere hohe Kurszuwächse wie in den vergangenen Jahren aus heutiger Sicht weniger wahrscheinlich erscheinen“, so Siegler, der auch im Bondmarkt Risiken identifiziert hat: „Im Anleihesegment liegen die Risiken vor allem bei langen Laufzeiten und schwächerer Bonität. Zusätzlich würde eine Infragestellung der Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed die Risikoprämien erhöhen, Inflationserwartungen destabilisieren und sowohl Aktien- als auch Anleihemärkte belasten.“ Die Analysten von Erste Group Research skizzieren die Risiken dazu wie folgt: „Übergeordnet bleiben geopolitische Risiken prägend: Zuspitzungen bestehender Konflikte, neue Spannungen, handelspolitische Risiken sowie Fragen der Energiesicherheit und Rohstoffabhängigkeit können jederzeit für Volatilität sorgen“, Svoboda weist auf US-spezifische Risiken hin: „Die größten Risiken für das Jahr 2026 sehen wir vor allem in den USA: Hohe Bewertungen an den Aktienmärkten, politische Unsicherheiten im Umfeld der Midterm-Wahlen sowie mögliche Zinsschwankungen bei anhaltender Inflation könnten die Märkte belasten. „Und sie zeigt noch einen weiteren Risikobereich: „Auch China bleibt ein Unsicherheitsfaktor, insbesondere aufgrund des schwachen Immobilienmarktes, der hohen Verschuldung und der geopolitischen Spannungen. Bei Anleihen liegt das Hauptrisiko in steigenden langfristigen US-Renditen, die zu Kursverlusten führen können.“ Götz ergänzt: „Zusätzlich sorgt der bevorstehende Wechsel an der Spitze der US‑Notenbank für erhöhte Aufmerksamkeit, da die Amtszeit des aktuellen Fed-Vorsitzenden Jerome Powell im Mai 2026 endet und die Entscheidung über eine Nachfolge Auswirkungen auf die zukünftige geldpolitische Ausrichtung haben könnte.“
 
Text: Michael Kordovsky

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