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Life

Landschaft zum Genießen

4.9.2026

Wer im Kufsteinerland gut isst, genießt weit mehr als regionale Spezialitäten. Hinter jedem Laib Brot, jedem Stück Käse und jedem Kräutlein stehen Menschen, die ihre Höfe teils seit Generationen bewirtschaften und damit nicht nur hochwertige Lebensmittel erzeugen, sondern auch jene Kulturlandschaft erhalten, die die Region prägt.

Ein gutes Essen beginnt selten erst in der Küche. Es beginnt auf einer Wiese, die gemäht, oder einem Feld, das gepflegt wird. Im Stall, wo Tiere versorgt werden. Oder in einem Kräutergarten, in dem zwischen Minze, Schafgarbe und Zitronenmelisse der Duft des Sommers in der Luft liegt. Wer sich bewusst macht, wie viele Hände und Zeit nötig sind, bis aus wertvollen Zutaten ein Gericht entsteht, entdeckt Kulinarik mit anderen Augen. Im Kufsteinerland ist dieser Zusammenhang besonders spürbar. Zwischen der Festungsstadt und den acht umliegenden Orten Bad Häring, Ebbs, Erl, Langkampfen, Niederndorf und Niederndorferberg, Schwoich und Thiersee prägen Bauernhöfe seit Jahrhunderten das Bild. Dort werden Milch, Fleisch und Eier erzeugt, Obst, Gemüse und Kräuter angebaut und Almen bewirtschaftet. Das Ergebnis sind Lebensmittel mit Herkunft. Und eine Landschaft, die ihren unverwechselbaren Charakter bewahrt.

Dabei geht die Bedeutung der Landwirtschaft weit über die Lebensmittelproduktion hinaus. Wo die Natur gepflegt wird, steht sie jedem offen. Wege führen durch blühende Flächen statt verbuschte Hänge, Ausblicke bleiben erhalten, die Artenvielfalt findet ihren Lebensraum. Was Besucher*innen als besonders idyllisch empfinden, ist deshalb kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis täglicher Arbeit. Gerade im alpinen Raum ist diese Kulturlandschaft auch eng mit dem Tourismus verbunden. Viele Menschen kommen ins Kufsteinerland, weil sie die unvergleichliche Mischung aus Bergen, Seen, Almen und sanften Tälern schätzen. Sie möchten wandern, Rad fahren, auf einer Sonnenterrasse einkehren oder einfach den Blick über grüne Wiesen schweifen lassen. Dass diese Landschaft so aussieht, wie sie aussieht, verdankt sie zu einem großen Teil jenen Betrieben, die sie seit Generationen bewirtschaften.

Dass Landwirtschaft und Tourismus keine Gegensätze sind, sondern voneinander profitieren, zeigt sich hier beinahe auf Schritt und Tritt. Gäste genießen Regionales in Gasthäusern, kaufen im Hofladen ein oder nehmen Speck und Marmelade als kulinarische Erinnerung mit nach Hause. Gleichzeitig schaffen diese direkten Wege zwischen Produzent*innen und Konsument*innen Wertschöpfung in der Region und machen sichtbar, wo Lebensmittel tatsächlich entstehen. Besonders eindrücklich zeigt sich dies in der Genussregion Untere Schranne. Sie gilt im Tiroler Unterland als Region mit außergewöhnlich hoher Dichte an Biolandwirtschaften. Viele Betriebe setzen hier bewusst auf Qualität statt Masse, auf traditionelle Handwerkskunst ebenso wie auf moderne Ideen. Manche verkaufen ihre Erzeugnisse direkt am Hof, andere beliefern Gastronomiebetriebe oder Wochenmärkte. Gemeinsam erzählen sie eine Geschichte von Regionalität, die nicht inszeniert, sondern gelebt wird.

Wo Genuss Wurzeln schlägt

Die bewusste Entscheidung für Lebensmittel aus der unmittelbaren Umgebung ist längst mehr als ein Trend. Sie schafft Vertrauen, verkürzt Transportwege und macht Lebensmittel wieder nachvollziehbar. Wer direkt bei den Produzent*innen kauft, weiß, woher die Produkte stammen, und lernt gleichzeitig oft jene Personen kennen, die dahinterstehen. Aus einem Einkauf wird ein Gespräch, aus einer Adresse ein Ort, an den man gerne zurückkehrt. Diese Nähe spiegelt sich auch in der Gastronomie wider. Viele Küchenchefs verstehen regionale Zutaten nicht als Einschränkung, sondern als Inspiration. Saisonales Gemüse bestimmt den Speiseplan, heimische Milch wird zu Käse verarbeitet, Fleisch stammt aus der Region, Obst findet sich in Säften oder Desserts wieder. So entstehen Gerichte, die genau hier zuhause sind.

Dabei muss Regionalität keineswegs altbekannt schmecken. Im Gegenteil: Viele Betriebe verbinden traditionelle Produkte mit neuen Ideen und zeitgemäßer Küche. Das Ergebnis ist eine Kulinarik, die ihre Wurzeln kennt und dennoch offen für Neues bleibt.

Die Kraft der Kräuter

Wer durch das Kufsteinerland streift, begegnet dem guten Geschmack nicht nur auf den Tellern, sondern auch am Wegesrand. Heimische Kräuter erleben derzeit eine bemerkenswerte Renaissance. Immer mehr Leute interessieren sich dafür, welche Pflanzen direkt vor ihrer Haustür wachsen, wie sie schmecken und welche Wirkung ihnen zugeschrieben wird. In der Region ist daraus eine lebendige Kräuterkultur entstanden. Ausgebildete Phytotherapeut*innen und Kräuterexpert*innen geben ihr Wissen in Workshops, bei Wanderungen und Seminaren gerne weiter. Dabei geht es nicht nur um Theorie. Gesammelt, gerochen, gekocht und verkostet wird ebenso selbstverständlich wie Salben gerührt. Wer einmal mit geschärften Sinnen über eine Almwiese gegangen ist, erkennt plötzlich eine Vielfalt, an der man zuvor nur allzu oft vorbeigegangen ist. Auch zahlreiche Kräutergärten, Führungen und Exkursionen laden dazu ein, die alpine Pflanzenwelt kennenzulernen. Mal stehen die Heilpflanzen nach Hildegard von Bingen im Mittelpunkt, mal die Kräuterküche oder die Verwendung heimischer Pflanzen in der Kosmetik. Immer aber geht es darum, das Wissen um die Schätze der Natur wieder erlebbar zu machen. Und längst gehören heimische Kräuter auch zu den kulinarischen Aushängeschildern der Region.

Zwischen Wiesen, Weiden und Wirtshäusern

Wer das Kufsteinerland kulinarisch entdecken möchte, findet dafür viele Möglichkeiten. Hofläden öffnen ihre Türen, Direktvermarkter bieten ihre Erzeugnisse an, Gasthäuser interpretieren regionale Klassiker neu, Almen laden zur Einkehr ein. Überall erzählen Lebensmittel ein Stück Landschaft und jedes Produkt ein wenig von den Menschen. Genuss wächst auf Wiesen, reift auf Feldern, entsteht in Ställen, Gärten und kleinen Manufakturen. Er beginnt mit der Arbeit all jener, die ihre Heimat bewirtschaften, und endet auf dem Teller. Zu Hause oder auswärts. Wer sich darauf einlässt, erinnert sich an mehr als ein gelungenes Essen. Man entdeckt eine Landschaft, die man schmecken kann. Und versteht, warum guter Geschmack immer auch eine Frage der Herkunft ist.


Text: Marina Bernardi
Fotos: Bierol, TVB Kufsteinerland/Mathäus Gartner

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